NoFap und der Testosteronspiegel

Wenn es um stärkere, bessere Erektionen geht, wird ein neuer Trend aus den USA immer öfter ins Feld gefürt: NoFap. Das meint genau das Gegenteil von Fapping, das nichts anderes bedeutet als Onanieren, aus dem Englischen angeleitet von dem Geräusch das beim Masturbieren entstehen kann. NoFap bedeutet Verzicht auf Pornografie und Selbstbefriedigung, die Anhänger der Bewegung, die ihren Ursprung u.a. auf dem US Portal Reddit hat, bezeichnen sich gerne als Fapstronauten.

Die Theorie hinter NoFap basiert auf einer Studie der chinesischen Zhejiang Universität, die bei den teilnehmenden Probanden einen Anstieg des Testosteronspiegels um satte 45% nachweisen konnte. Das Männlichkeitshormon ist für die Bildung von Neurotransmittern, die die Erektion regeln, mitverantwortlich. Zudem sorgt es dafür, dass die Muskelzellen im Penis erhalten werden und nicht durch Fettzellen ersetzt werden.

Bedeutet also Enthaltsamkeit bessere und härtere Erektionen, besseren Sex? Die Rechnung geht nicht ganz auf, denn ein krankhaft niedriger Testosteronspiegel kann sich zwar negativ auf Libido und Erektionsfähigkeit auswirken, aber ein höherer Testostronspiegel bedeutet nicht automatisch mehr sexuelle Leistungsfähigkeit oder Energie, wie oft behauptet. Vielmehr macht es für Männer mit normalem Testosteronspiegel keinerlei Unterschied, ob dieser sich um X% erhöht oder nicht, da eine Erhöhung über den Normallevel außer einer eventuell auftretenden gewissen Gereizheit, keinerlei Zusatznutzen bringt. Genau aus diesem Grund sind auch die oft teuer verkauften Nahrungsergänzungsmittel im Bereich „Testosteron Booster“ eher Geldschneiderei, eine Einnahme ist nur dann zielführend, wenn ein krankhaft niedriger Testosteronspiegel gegeben ist.

Viele Experten, genauer Urologen und Andrologen, äußern sich eher kritisch zum NoFap Trend, denn regelmäßige Samenergüsse sind für die Gesundheit des Prostata wichtig, sie beugen indirekt Prostataentzündungen und Prostatakrebs in einem gewissen Maße vor. Zudem ist wissenschaftlich erwiesen, dass lange Enthaltsamkeit eher zu einem vermehrten Auftreten sexueller Funktionsstörungen wie vorzeitiger Ejakulation oder auch Erektionsstörungen führen kann, das Gegenteil dessen, was der Verzicht auf Onanie eigentlich bewirken soll. Auch zeigt eine Studie mit 28 Freiwilligen aus China, dass der leichte Anstieg des Testosteronspiegels durch Enthaltsamkeit nur 7 Tage anhält, dann wird ein Peak erreicht von dem aus keine weitere Steigerung erfolgt, da der Ansteig überhaupt erst durch einen Samenerguss gestartet wird. Der Samenerguss ist also der Auslöser des Antiegs, nicht der Verzicht darauf. Das hält die Anhänger der Bewegung, wie auch Freunde des „Ich steigere meinen Testosteronspiegel bis ich platze“ aber nicht davon ab, Tatsachen zu verleugnen und im großen Stil falsche Informationen zu verbreiten, was nicht zuletzt die Supplement Industrie erfreut, die ihre oft billig aus China importierten Rohstoffe mit schneidigen Etiketten und schön formulierten Superlativen zur Gold macht.

Bleibt als Fazit: So ungesund übersteigertes und suchthaftes Masturbationsverhalten ist, so sinnfrei ist es ins Gegenteil umzuschlagen und komplett zu verzichten. Wie bei den meisten Dingen im Leben ist ein gesundes Mittelmaß der beste Weg. Beim Testosteron gilt: Zu wenig ist schlecht, immer mehr macht aber nicht immer mehr Mann.