Krummer Penis – Normal oder behandlungsbedürftig?

Die guten Nachrichten gleich vorweg: Kaum ein Penis ist wirklich gerade, was einfach daran liegt, daß die insgesamt drei Schwellkörper eher selten exakt gleich groß sind und exakt gleich viel Blut aufnehmen können. Es handelt sich meist um eine angeborene und ganz natürliche Variation im Normbereich, die weder einer medizinischen Behandlung bedarf, noch beim Sex stört. Für Frauen ist diese kleine Abweichung nicht wahrnehmbar, die Vagina passt sich daran problemlos an. Oft sind Männer mit einem etwas größeren Penis überproportional oft betroffen, denn je länger der Schwellkörper, desto eher werden kleine Abweichungen sichtbar.

Das größte Mythos: Der Penis verkrümmt sich durch zuviel Selbstbefriedigung mit der gleichen Hand. Diese Annahme ist vollkommen haltlos und auch der Luft gegriffen, niemand kann seinen Penis mit Hilfe von Selbstbefriedigung in einem wahrnehmbaren Maße oder dauerhaft verformen.

Wesentlich seltener ist die krankhafte, erworbene Deviation (zu Deutsch; Abweichung), eine Penisverkrümmung die oft erst im mittleren Erwachsenenalter zwischen 40 und 60 Jahren auftritt und etwa 5% aller Männer in dieser Altersgruppe im mehr oder minder dramatischen Maße betrifft. Der Fachbegriff lautet Induratio Penis Plastica, abgekürzt IPP. Die effektive genaue Ursache der Erkrankung ist bis heute nicht abschließend geklärt, man vermutet, daß minimale Risse im Bindegewebe, die durch genetische Faktoren begünstigt sein können, zu Entzündungen führen, die im Heilungsprozess unter der Bildung von Ablagerungen (Plaques) in Verhärtungen im äußeren Schwellkörpergewebe enden. Männer mit Problemen eine vollständige harte Erektion zu bekommen, scheinen anfälliger für diese Mikroverletzungen zu sein. Wer wie viele Diabetiker an Durchblutungsstörungen leidet, hat also ein erhöhtes Risiko für IPP.

Der betroffene Schwellkörper bekommt durch das verklumpte Gewebe einen leichten Knick, der sich durch weitere Verletzungen mit zunehmender Krümmung verstärkt. Die Symptome sind Schmerzen bei der Erektion und dem Geschlechtsverkehr, die bis hin zur Unfähigkeit den Verkehr zu vollziehen führen können.

Die Erkrankung sollte möglichst frühzeitig behandelt werden, denn je schneller gehandelt wird, desto besser sind die Aussichten, das Fortschreiten wirksam zu stoppen. Im ganz frühen Stadien kann eine Behandlung mit Medikamenten zielführend sein, welche die Entzündungen bekämpfen, die Durchblutung fördern und so für einen Abtransport der Plaques die das Gewebe verhärten lassen sorgen. Greift diese Behandlung ist, ist oft die Operation der einzige Ausweg. Ein bewährter Eingriff, der aber nicht selten zu einer nicht unerheblichen Verkürzung des Penis (im Bereich mehrerer Zentimeter) führt, weil der gesunde Schwellkörper an den erkrankten angeglichen wird. Daher stehen viele Patienten diesem Eingriff sehr kritisch gegenüber.

Eine Alternative, die zwar keine Heilung aber zumindest eine leichte Besserung bzw. den Erhalt des Status Quo erbringen kann, sind medizinische Streckgürtel wie Phallosan. Die Kosten hierfür werden teils von den Krankenkassen übernommen. Vorsicht: Die üblichen Penispumpen oder auch Penis Extender/steifen Streckapparate die im Internet oft sehr aggressiv zur angeblichen Verlängerung des Penis beworben werden, sind völlig ungeeignet und erhöhen nur das Risiko neuer Verletzungen.