Ursachen für einen tief hängenden Hoden

Aus gutem Grund sind die Hoden ausserhalb des Körpers im Hodensack verstaut, denn was im ersten Moment vielleicht unpraktisch anmutetet, hat natürlich einen tieferen Sinn: Samenzellen sind empfindliche gegen Hitze, also sind die Hoden dort untergebracht, wo sie es etwas kühler haben, als im inneren des Körpers. Leider neigt der Hodensack dazu, im Laufe eines Lebens immer mehr zu hängen, eine typische Alterserscheinung, weil das Straffheit des Gewebes nachläßt und sich im Hodensack keine Muskulatur befindet. Wie tief der Hoden hängt ist zum grossen Teil eine genetische Laune der Natur, weshalb auch teils schon junge Männer unter „Hängehoden“ leiden.

Aus medizinischer Sicht kein Grund zur Besorgnis, er liegt keine Erkrankung vor, nur selten gibt es eine ernstere Ursache: Ein Leistenbruch oder einem tiefer liegenden Hodenbruch, der sich teils durch eine einseitige Aufwölbung eines Hodens bemerkbar macht, weil die Eingeweide aus dem Bauchraum durch den erweiterten oder eröffneten Leistenkanal nach unten drücken. Leicht abklärbar mit einer Ultraschalluntersuchung beim Urologen und operativ schnell behoben. Die Kosten übernehmen sowohl die gesetzlichen als auch die privaten Krankenkassen, der die OP medizinisch sinnvoll, zweckmäßig und damit indiziert ist.

Auch wenn es sich nur um eine natürliche Varianz oder Alterserscheinung handelt, optisch stören die tiefen Hoden oft, insbesondere wenn sie tiefer hängen als der Penis lang ist und so ein weniger dem Ideal entsprechendes Bild entsteht. Ein Trick, der kurzfristig Abhilfe schafft, ist Kälte, z.B. kaltes Wasser. Um die Hoden vor der Kälte zu schützen, zieht sich der Hodensack zusammen und bringt die Hoden näher an den wärmenden Körper. Wird es wärmer, dehnt sich der Sack aber sofort wieder entsprechend, von einer echten Lösung kann man sicher nicht reden. Medikamentöse Therapien existieren nicht, auch allerlei Salben und angeblich Hausmittel sind komplett wirkungslos. Wenn er erst mal hängt, dann hängt er.

Dauerhaft hilft hier nur der Skalpell, ungleich unkomplizierter als die weibliche Brust läßt sich auch das Skrotum, so heisst der Sack in der Fachsprache, operativ straffen. Der Eingriff wird entweder unter örtlicher Betäubung/Teilnarkose/Sedierung, auf Wunsch auch unter Vollnarkose durchgeführt. Ein längerer Krankenhausaufenthalt ist nicht nötig, normalerweise erfolgt die OP ambulant, ohne stationäre Aufnahme. Beim Eingriff wird das überschüssige Gewebe entfernt, der Hodensack dadurch verkürzt. Wie bei jeder Operation gibt es Risiken, die Narkose, mögliche Wundheilungsstörungen und Infektionen, aber rein statistisch gesehen handelt es sich um eine sehr unkomplizierte OP die in aller Regel komplikationsfrei verläuft. Ganz billig ist die Hodenstraffung nicht, je nach Arzt und Klinik sollte man um die 2500-3500€ einkalkulieren. Da es sich um einen rein ästhetischen und keinen medizinisch notwendigen Eingriff handelt, muss er komplett aus eigener Tasche finanziert werden, auch private Kassen beteiligen sich nicht an den Kosten.