Können Vitamine für Männer die Fruchtbarkeit erhöhen?

Fertilität und Standkraft, zwei Eigenschaften über die viele Männer ihre Männlichkeit definieren. Selbst wenn das Sexualleben perfekt ist ist, ein unerfüllter Kinderwunsch und mangelnde Zeugungsfähigkeit sind extrem belastend. Das hat auch die Industrie für Nahrungsergänzungsmittel erkannt, in den Regalen von Apotheken und Drogeriemärkten buhlen allerlei Vitaminpräparate für den Mann um die Gunst der Käufer. Ob „Othomol Fertil Plus“, „Doppelherz Männer-Gesundheit“ oder „Centrum für Ihn“, um nur beispielhaft und wertungsfrei einige populäre Produkte zu nennen. Versprochen wird der Erhalt eines normalen Testoteronspiegels, Vitalität, Virilität sowie eine normale Spermienqualität.

Doch können die Vitamine für den Mann, oft nicht unbedingt die günstigsten Produkte im Regal, das leisten, was sie versprechen? Die Stichworte die einem immer wieder ins Auge fallen sind „normal“ , „beitragen“ und „erhalten“, egal ob auf den Packungen, Werbung oder Webseiten. Die Hersteller verwenden diese Begriffe in fast in jedem Zusammenhang, Aussagen wie „steigern“, „verbessern“ oder „erhöhen“ tauchen nirgends auf. Aus gutem Grund, denn neben den strikten rechtlichen Vorgaben bei der Werbung, der Blick auf die enthaltenen Vitamine und Mineralstoffe erinnert stark an die klassischen Multivitaminpräparate, die ohne schönen Namen und zum kleinen Preis, in Form von Brausetabletten, Tabeletten oder Kapseln, auch beim Discounter erhältlich sind: Zink, Selen, Vitamin B1, Vitamin B6, Vitamin B12, Vitamin C, Kupfer, Vitamin D, Vitamin E, teils auch Omega-3-Fettsäuren und Coenzym Q10.

Kommt bekannt vor? Ein Blick auf die Vitaminpräparate speziell für Frauen statt Männer offenbart Ernüchterndes: Im Grunde sind dort fast genau die gleichen Vitamine in nur geringfügig anderer Dosierung enthalten. Also alles Schwindel?

Nein, denn zumindest wer sich einseitig und wenig gesund ernährt, viel Streß hat, vielleicht noch raucht, kann möglicherweise an einem leichten Mangel an bestimmten Vitaminen leiden. Nicht im dramatischen Ausmaß, echte Mangelerscheinungen finden sich selten. Hier können Vitaminpräparate sinnvoll sein, viel hilft aber nicht viel, denn Vitamine und Mineralstoffe sind vergleichbar mit einem Schmiermittel, das Stoffwechselprozesse, das Immunsystem und die Produktion von Hormonen und körpereigenen Stoffen, reibungslos ablaufen läßt. Mehr Vitamine als nötig verbessern nichts, können sogar teils bei starker Überdosierung gesundheitsschädlich (z.B. Vitamin A) sein. Vergleichbar mit einem Motor: Fehlt ein Liter Öl, sollte man einen Liter nachschütten. Schütten wir 3 Liter nach, läuft der Motor dadurch weder besser, noch fährt das Auto schneller.

Fazit: Vitaminpillen, -pulver, -tabletten oder – kapseln einzunehmen kann unter gewissen Umständen sinnvoll sein, sie könnten theoretisch helfen z.B. eine normale Spermienqualität zu erhalten, wenn diese durch Vitaminmangel leicht abgenommen hätte. Wunder können alle diese Präparate definitiv nicht bewirken, wer aus anderen Ursachen nicht genügend aktive, gesunde Spermien produziert, wird es auch mit Vitaminen nicht. Andererseits schaden die Produkte nicht, solange man sie nicht extrem überdosiert, außer vielleicht dem Geldbeutel. Da sollte gut überlegt sein, ob nicht der Griff zum günstigen No-Name Produkt ohne Zusatz „Für den Mann“ die elegantere Wohl ist, denn nicht umsonst lautet der Titel des großen Vitamintests der Zeitschrift Ökotest: „Multivitaminpräparate – Bestenfalls nutzlos“. Ein bischen wie bei der Homöopathie mit ihren kleinen weißen Kügelchen: Der Placeboeffekt und Glaube an eine Wirkung sind nicht zu unterschätzen, selbst wenn diese effektiv nicht vorhanden ist.