Haarausfall ab 40 – Schicksal oder gibt es Mittel dagegen?

Ab etwa 40 ist die Natur ziemlich gnadenlos. Es beginnt mit mehr Haaren in der Bürste als gewöhnlich, immer öfters liegt mal ein Haar auf dem Schreibtisch und eh man sich versieht, beginnen die Geheimratsecken langsam aber sicher zu wachsen, teils lichtet sich das Haar am Hinterkopf. Das stattdessen plötzlich die Haare zu sprießen beginnen, wo sie es nicht sollen, etwa an den Ohren und in der Nase, macht das Ganze noch perfider.

Wer stark familiär vorbelastet ist, den ereilt dieses Schicksal teils wesentlich früher, wer Glück hat bei dem beginnt der Prozess etwas später, aber dennoch: Die Haare auf dem Kopf werden mit zunehmendem Alter eher weniger und das leider nicht gleichmäßig, sondern konzentriert auf bestimmte Kopfpartien. Wer dann in Google „Mittel gegen Haarausfall bei Männern ab 40“ eingibt, wird mit einer enormen Menge an angeblichen Wundermitteln, teuren Tinkturen und Shampoos, förmlich erschlagen.

Was hilft? Hilft überhaupt etwas? Dazu muss man sich die Ursachen ansehen: Bei 95% aller Männer, also bis auf wenige Ausnahmen den meisten Betroffenen, ist die Ursache eine androgenetische Alopezie. Was medizinisch noch ganz nett klingt, klingt in Laiensprache schon weniger schön: Erblich bedingter Haarausfall. Verantwortlich für den schleichenden Haarverlust sind in diesem Fall die Androgene, männliche Sexualhormone, genauer das Dihydrotestosteron (DHT), das aus dem Umwandlung von Testosteron entsteht. Aus wissenschaftlich bisher noch nicht erforschten Gründen, entwickeln die Haarwurzeln bei betroffenen Männern eine zunehmende Empfindlichkeit gegenüber diesem Hormon bzw. dem Zusammenspiel von DHT mit anderen Hormonen. Folge sind verkürzte Wachstumsphasen der Haare, sie wachsen immer dünner nach, bis die Haarwurzel schließlich ganz abstirbt. Da nach aktuellen Erkenntnissen nicht nur ein einzelnes Gen für diesen unerwünschten Effekt verantwortlich ist, sondern gleich mehrere, ist eine baldige Lösung des Rätsels sehr unwahrscheinlich.

Eine echte Therapie die dauerhafte Erfolge bringt, existiert bis heute leider nicht, von einer Haartransplantation abgesehen, die aber nicht von den Krankenkasse erstattet wird und reine Privatleistung ist. Egal was manche Hersteller versprechen, mit frei verkäuflichen Tinkturen oder sagr Medikamenten, lassen sich nur begrenzte Erfolge erzielen.

Finasterid: Verschreibungspflichtiges Medikament das den Umbau von Testosteron zu DHT im gewissen Rahmen unterdrückt. Die Wirkung tritt oft erst nach einem halben Jahr konsequenter Einnahme auf, bei etwa 80% der Anwender wird der Haarausfall so gestoppt, bei zwei Dritteln wachsen sogar neue Haare nach, allerdings nur sehr dünne. Finasterid wird oral in Form von Tabletten eingenommen.

Minoxidil: Eigentlich ein Blutdruckpräparat, das bei Haarausfall in flüssiger Form zur äußeren Anwendung gegeben wird. Es fördert die Durchblutung der Kopfhaut, wesentlich stärker als z.B. bei Shampoos oder Tinkturen mit Koffein.

Damit hat es sich auch schon, egal was irgendwelche bunten Werbebrochuren oder Webseiten im Netz sagen, es existieren weder Wunderpillen noch wirksame Geheimrezepte. Alles nur Humbug und Abzocke. Selbst das viel gepriesene Östrogenen 17-alpha-Estradiol ist so gut wie wirkungslos.

Die beiden oben genannten Medikamente werden gerne kombiniert gegeben, allerdings muß die Behandlung möglichst frühzeitig beginnen, denn Voraussetzung für den Erfolg ist, dass die Haarwurzeln noch nicht abgestorben sind. Haarwurzeln selbst können nicht nachwachsen, sind sie nicht mehr vorhanden, weil abgestorben, kann an dieser Stelle auch mit der besten Medizin kein Haar mehr nachwachsen und nur die Transplantation kann noch Erfolg bringen. Ähnlich einem Baum, solange noch lebende Wurzeln existieren, kann er neue Triebe aus dem Boden austreiben. Ist die Wurzel tot, hilft auch der massive Einsatz des besten Düngers nicht mehr und ein neuer Baum muss gepflanzt werden. Zu diesem Ergebnis kam auch die Stiftung Warentest,

Ein weiteres, eher trauriges Detail: Werden die Medikamente abgesetzt, schreitet der Haarausfall sofort weiter fort, die Einnahme müsste also lebenslang erfolgen.

So bleibt das ernüchternde, harte, aber ehrliche Fazit: Wer nicht bereit ist, ein Leben lang Medikamente mit nicht ganz unerheblichen Nebenwirkungen einzunehmen und eventuell größere Summen für eine Haar- bzw. Eigenhaartransplantation auszubringen, investiert sein Geld lieber in einen flotten Kurzhaarschnitt der das Beste aus dem Dilemma macht, statt Geld für wirkungslose Wundermittel aus dem Internet herauszuwerfen.