Die Harnröhre juckt und brennt beim Mann

Ein Jucken oder Brennen in der Harnröhre kann viele Ursachen haben, tritt die Reizung nicht direkt nach dem Geschlechtsverkehr auf und klingt dann wieder ab, sind die Ursachen leider meist bakterieller Natur. Die Symptome sind meist sehr eindeutig und unangenehm bis schmerzhaft:

  • Vermehrtes Harndrang, auch wenn die Blase gar nicht bis kaum mit Urin gefüllt ist und das letzte Wasserlassen erst kurze Zeit her ist.
  • Ziehen und Kältegefühl in der Harnröhre, empfindlicher Harnröhrenausgang an der Eichel, machmal auch gerötet
  • Schmerzen oder Brennen, insbesondere direkt nach dem Urinieren
  • Teils Ausfluss aus der Harnröhre, weisslich bis gelblich, von der Konsistenz her an Schleim erinnernd. Morgens nach dem Aufstehen verstärker Ausfluss, der heraustropft oder sich herausstreichen läßt.

Der Übeltäter ist weder im Schimmbad, noch auf der öffentlichen Toilette oder der Sauna zu suchen, sondern im eigenen Bett: Fast alle Harnröhrenentzündungen bei Männern sind verursacht durch Gonokokken (oft auch Tripper genannt) oder Chlamydien, zwei Geschlechtskrankheiten die durch ungeschützen Sex übertragen werden und sehr gerne in Kombination auftreten.

Bei Frauen ist der Verlauf meist wesentlich milder und kaum von Schmerzen begleitet, äußert sich oft nur in einem mehr oder minder starken Ausfluss, der teils auch als Erregung fehlinterpretiert wird. Das ist auch ein Grund für die zunehmende Ausbreitung dieser Erreger, denn was keine Beschwerden veruracht, wird odt erst sehr spät als Infektion erkennt. Für Frauen teils dramatisch, denn verschleppte Infektionen mit Chlamydien können aufsteigen, die Eierstöcke schädigen und so für Unfrauchtbarkeit sorgen. Genaue Erhebungen zu Infektionsraten existieren nicht, allerdings sind diese Krankheiten verbreiteter als viele annehmen, man sieht sie auch bei genauer Betrachtung des Geschlechtsteils niemanden an, man riecht oder schmeckt sie von Ausnahmefällem mit starkem Ausfluss abgesehen, nicht.

Wichtig: Sobald die die oeben beschriebenen Symptome wahrgenommen werden, sollte zeitnah ein Termin beim Urologen vereinbart werden. Für die Diagnose wird eine Urinprobe ins Labor geschickt, beim Verdacht auf Chlamydien kann zusätzlich ein Abstrich der Harnröhre sinnvoll sein. Der ist unangenehm, weil ein kleines Problemstäbchen das an ein Wattestäbchen erinnert eingeführt werden muss. Er liefert aber dafür eine genauere Diagnostik als der Urin, weil Chlymdien intrazelluläre Erreger sind, die nicht auf der Schleimhaut sitzen, sondern sich in der Schleimhaut der Harnröhre einlagern und dort festsetzen.

Zudem muß bis zum erfolgreichen Abschluss der Behandlung mit Kondomen verhütet oder auf Geschlechtsverkehr verzichtet werden. Auch eine Übertragung per Oralverkehr ist möglich, wenn auch seltener. Unbedingt auch die oder den Partner(in) informieren, denn falsche Scham und Unvorsichtigkeit führen nur zur einer weiteren Verbreitung.

Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika, in der Regel kommen gegen Tripper Cefixim oder Azithromycin zum Einsatz, die Chlamydien lassen sich gut mit Tretracyclinen wie Doxycyclin behandeln. Chlamydien sind hartnäckig, weil sie in bestimmten Stadien ihres Vermehrungszyklus ruhen und dann für Antibiotika unangreifbar sind. Daher ist eine Behandlung über 21 Tage indiziert, kürzere Behandlungszyklen führen oft zu einen Rezidiv. Erfreulicher Weise entwickeln Chlamydien im Gegensatz zu Gokokokken keine nennenswerten Resistenzen. Bei Tripper muß möglicherweise der Stamm bestimmt werden, denn auch wenn Cefixim oder Azithromycin meist zum Erfolg führen, gerade aus Asien kommen teils multiresistente Stämme, die gegen eine Vielzahl von Antibiotika immun sind.

Gute Nachrichten zum Ende: Selten kann auch eine Entzündung oder Reizung der Prostata zu einem brennenden Gefühl in der Harnröhre fühlen, auch mit Rötung am Ausgang der Harnröhre, allerdings ohne Ausfluss. Eventuell ist dann nur eine Schmerzbehandlung nötig und die Symptome verschwinden ganz von selbst wieder, ohne antibiotische Therapie. Um eine Abklärung beim Arzt kommt aber niemand, der verantwortungsvoll mit der eigenen Gesundheit und der anderer umgeht, herum!